Thema: "Wie erzähle ich mein Leben"

 

Unser Frauenkreis am Montag, 09. Mai 2011, wurde von Herrn Pfr. Dr. Kendel geleitet, der uns mit dem Thema "Wie erzähle ich mein Leben" überraschte. Dazu las er auszugsweise aus dem Buch: "Der defekte Messias" von Susanne Krahe vor. Die Autorin, ehemalige Pfarrerin, die ihren Beruf wegen Erblindung aufgeben mußte, betätigt sich seit dieser Zeit schriftstellerisch.

Das o.g. Werk handelt von schonungsloser Beichte einer republikflüchtigen Putzhilfe: Frau Luisa, verheiratet und Mutter von 4 Kindern, die Frau Krahes Wohnung penibel in Ordnung hält.

Luisa  schüttet bei der Arbeit ihr Herz über ihr "verkorkstes" Leben aus. Interessant die Variante, dass Frau Krahe ihre Putzhilfe Luisa nicht in direkter Rede sprechen läßt, sondern reflektiert, was Luisa gesagt hat. Der Erzählstil der Hauptdarstellerin ist für den Leser anfangs gewöhnungsbedürftig. Er ist geprägt von Verzweiflung, Wut, Unterdrückung, Hass, Anklage, auch gegen sich selbst. Zwei ihrer Kinder hat sie im Osten bei der Familienflucht zurückgelassen und kann sich das bis heute nicht verzeihen. Den Mann an ihrer Seite, ein Trinker und notorischer Nörgler, dem sie nichts recht machen kann, der sie auch schlug, hat sie noch immer nicht verlassen. Eine Tatsache, die ihre Kinder nicht nachvollziehen können. Sie versucht ihnen zu sagen, "dass man sich nach so vielen Ehejahren etwas schuldig ist". Doch dann faßt sie insgeheim den Entschluß, einmal alles aus ihrem Leben für ihre Kinder aufzuschreiben, damit wenigstens sie aus Schuld und Versäumnissen der Mutter lernen können.

Nicht ohne Grund fragt sich Luisa am Schluß, ob wohl Memoirenschreiber alles ganz ehrlich aufschreiben und nichts auslassesn.

Eine Frage, die im Raum steht.

Nach beendeter Lektüre kennen wir mehr Hintergründe und damit die Antwort.