Aus der Kirchengeschichte von Leopoldshafen ( Schröck )

 

„Die Gemeinde Schröck erhielt im Jahr 1833 den Namen Leopoldshafen und ist in kirchlicher Beziehung eine Filiale der ½ Stunde südöstlich gelegenen Mutterkirche Eggenstein. Schon seit vielen Jahren war es der sehnlichste Wunsch der Gemeinde Leopoldshafen eine eigene Kirche zu erhalten.“

So beginnt der Text der Denkschrift, die bei der Grundsteinlegung der Kirche von Leopoldshafen am 13.07.1851 beigefügt wurde. Der Gottesdienst in Leopoldshafen fand bisher im Betsaal im Rathaus mit einem Platzangebot für rund 100 Personen statt. Der Pfarrer von Eggenstein kam alle drei Wochen am Sonntagnachmittag zur Christenlehre und an den zweiten hohen Feiertagen zum Gottesdienst und einmal im Jahr zur Feier des heiligen Abendmahls nach Leopoldshafen. Auf diese unguten Zustände machten die Gemeindeväter von Schröck schon am 06.05.1830 in einem Schreiben an das Dekanat aufmerksam.

Sie schrieben wörtlich: „Wir sehen eben doch ein, dass es der größte Mangel in einer Gemeinde ist, wenn eine Kirche fehlt. Ordnung und Religion leidet Not und wir glauben und sehen ein, dass Religion die erste Polizei in der Welt ist. Wir glauben nun, weil Schröck ein altbadischer Ort ist, dass unsere väterlich gesinnte Regierung wie in anderen Orten auch bei uns eine Kirche wird erbauen lassen“.

Auch Pfarrer Bühler aus Eggenstein sah sich außerstande, die Amtsgeschäfte: Vierfachen Gottesdienst, doppelten Konfirmandenunterricht, die Beaufsichtigung von zwei Schulen, ordentlich zu versehen. Die Gemeinde wünschte eine eigene Pfarrei, was vom Innenministerium abgelehnt wurde.

Infolge des Zehntablösegesetzes vom 15.11.1833, durch den weitgehenden Verzicht eines jeden Gemeindebürgers auf den Allmendgenuss, durch Kollektenerhebung in allen badischen Gemeinden und der Aufnahme von 10.000 Gulden durch die Gemeinde, wurde die Leopoldshafener Finanzierung des Kirchenbaus ermöglicht.

Am Sonntag, dem 13.07.1851, nachmittags 3 Uhr, wurde der Grundstein für den Neubau feierlich gelegt. Dazu versammelten sich um 2 Uhr der Kirchengemeinderat mit den Herren Wilhelm Schmitt, Jakob Bolz alt und Wilhelm Ratzel jung. Der politische Gemeinderat war mit den Herren Jakob Ratzel, Wilhelm Bolz, Ferdinand Nagel und Adam Hauth vertreten. Bürgermeister war Samuel Schärr, Ratschreiber und Schullehrer Georg Wilhelm Heckmann. Versammelt war auch der Bürgerausschuss, die Schuljugend und die ganze Gemeinde. Auch Mitglieder der Kirchenleitung und Regierung von Baden waren anwesend. Der Zug bewegte sich unter Gesang vom Betsaal im Rathaus zum Bauplatz im Osten des Dorfes.

Der Gottesdienst wurde vom Ortsgeistlichen aus Eggenstein, Pfarrer Lemmert, gehalten. Der Predigttext war aus Psalm 90 Vers 17 gewählt: „Und der Herr unser Gott sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns, ja das Werk unserer Hände wollest du fördern“.

So wurde unsere Kirche im Jahr 1852 erbaut und am 29.05.1853 eingeweiht.

W. Stahl

 

Kirchenrenovierungen ab 1968

Bereits im Jahre 1968 zeichneten sich größere Außenrenovierungen am Langschiff und Turm der Kirche ab. Die Reparaturen wurden von fachkundigen Firmen durchgeführt.

Im Mai 1975 wurden neue Speicherfenster an der Ostseite eingebaut. Ebenfalls wurden neue Schall-Läden und eine Tür zum Glockenhaus durch eine ortsansässige Fachfirma eingebaut.

Schwere Schäden an den Sandsteinen machten umfassende Steinmetzarbeiten vor dem Außenanstrich notwendig (West- und Südgewänder des Glockenturmes und das Kreuz über dem Portal). Nachdem diese Arbeiten und weitere Arbeiten am Dach und den Dachrinnen durchgeführt waren, konnte der Fassadenanstrich erfolgen.

Im Jahre 1985 kam die zuletzt durchgeführte Kirchenrenovierung auf die Tagesordnung. Im Amtsblatt vom 04.10.1985 wurde die Kirchengemeinde erstmals in ausführlicher Form durch Pfarrer Zeller von größeren Vorhaben unterrichtet.

Anfang 1986 untersuchte Restauratorin Frau Schlee die Kirche auf die alte Farbfassung.

Am 05.05.1986 begann die erste Stufe der Kirchenrenovierung unter Leitung von Architekt Hansjakob Ott, Neureut, Planung der Heizung E. Klenert.

Mit Genehmigung des Kirchenbauamtes im Evangelischen Oberkirchenrat und des Landesdenkmalamtes wurden folgende Arbeiten durchgeführt:

  • Bau einer Toilette im Anschluss an die Sakristei
  • Erneuerung der Heizungsanlage und Verlegung neuer Luftkanäle
  • Nachtspeicherheizung in der Sakristei
  • Wärmedämmung der Decke und neuer Dachboden
  • neue Außentreppe am Haupteingang
  • Windfangtür
  • neuer Sockel des Taufsteins
  • Entfernung der Bänke links vom Altar
  • teilweise Erneuerung und Erweiterung der elektrischen Installation

Der Bericht der Badischen Neuesten Nachrichten vom 15.07.1986 ergab alsdann ein Bild über den Stand der fortgeschrittenen Arbeiten.

"Die evangelische Kirche Leopoldshafen soll jetzt modernisiert und renoviert werden. Seit einigen Wochen werden die Gottesdienste im Saal des Gemeindehauses abgehalten und in der Kirche selbst sind größere Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten im Gang. Bis zum Erntedankfest sollen dann die für dieses Jahr vorgesehenen Arbeiten abgeschlossen sein. Die alte heizungskostenaufwendige Anlage der Kirche wurde durch einen modernen Heizkessel ersetzt und neue Heizungsschächte gelegt. Ein automatisch gesteuertes Programm wird mit dieser Anlage sowohl Warmluft zuführen, als auch verbrauchte Luft wegsaugen und die Temperaturen auf die gewünschte Norm einstellen. Damit die Warmluft im Raum bleibt und nicht durch die dünne Bretterschicht im Kirchenschiff den Dachboden aufwärmt, wird eine dicke Glaswollschicht über der Decke im Kirchenschiff eingebracht.

Das Einbringen der Glaswollschicht und den darüber liegenden Bretterboden geschieht durch freiwillige Helfer der Kirchengemeinde, um einen Teil der hohen Gesamtkosten einzusparen. Dem Eindringen kalter Winterluft soll ein noch in diesem Jahr zu erstellender Windfang am Eingang der Kirche entgegenwirken. Dies erfordert, dass die jetzige Eingangstreppe zurückverlegt wird, um so Platz für eine sich dem Kirchenbau einpassende Glastür zu machen.

Bereits im Rohbau fertig gestellt ist ein Anbau an die Sakristei an der nordöstlichen Ecke der Kirche, der vor allem eine Toilette aufnehmen soll. In der südlichen Ecke vor dem Chor soll eine Taufecke eingerichtet werden.

Für das nächste Jahr sind neue Fenster vorgesehen, um auch hier eine Wärmeisolierung zu erhalten, aber auch um die Kirche zu verschönern. Der Raum und die Einrichtung des Innern der Kirche wird einen neuen Anstrich erhalten".

Am 05.10.1986 fand ein Festgottesdienst anlässlich der Wiederinbetriebnahme der Kirche nach Beendigung des ersten Bauabschnitts statt.

Nachdem die Renovierungsarbeiten des zweiten Bauabschnitts an der im spätklassizistischen Stil erbauten Kirche im November 1987 abgeschlossen waren, wurden noch die Neugestaltung der Außenanlagen und des Vorplatzes durch die politische Gemeinde in Angriff genommen.

H. Gerstheimer