Kunstglasfenster in der Evangelischen Kirche

 

Jesusgeschichten auf Glas

Die Kirchengemeinde wollte auch die im Chor befindlichen vier Rundbogenfenster sowie weitere an den Chor angrenzende Fenster des Langhauses in Glasmalerei neu gestalten. Dazu hatte die Kirchengemeinde einen beschränkten Wettbewerb ausgeschrieben.

Bei der im Jahr 1987 abgeschlossenen Renovierung der Kirche wurde die ursprüngliche Farbfassung wieder hergestellt und die zur Teilnahme am Wettbewerb aufgerufenen Künstler waren aufgefordert, auf diese Farbgestaltung Rücksicht zu nehmen. Da die Kirche mit einer Doppelverglasung ausgestattet wird, können die zu gestaltenden Fenster vom Innenraum der Kirche aus eingesetzt werden. Den Künstlern war vorgegeben, als thematische Grundlagen der Glasmalerei Aussagen zu folgenden Jesusgeschichten zu machen: Jesus stillt den Sturm, das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld, die Jüngerberufung nach Markus und Jesus der gute Hirte. Dazu hatte der Kirchengemeinderat anheim gegeben, aus diesen Themen ein Gesamtbild zu gestalten oder sie auf einzelne Fenster zu verteilen.

Das Ergebnis des Wettbewerbs und die Arbeiten der vier Künstler wurden nach der Bewertung des Preisgerichts unter Vorsitz von Kirchenbaudirektor Horst Wein im evangelischen Gemeindehaus der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Arbeit der Künstlerin Regine Schönthaler aus Stuttgart hatte den Zuschlag erhalten.

Kirchenbaudirektor Horst Wein verdeutlichte, dass die Arbeit der Künstlerin von hoher technischer und künstlerischer Qualität sei und viel Kenntnis im Umgang mit der aufgegebenen Materie zeige. Sie überzeugte durch große Einheitlichkeit in ihrer Farbigkeit, die nicht aufdringlich wirke. In den Chorfenstern verdichte sich die symbolische Kraft einer großen Ausstrahlung und wirke mit ihren eingebrachten Elementen an Licht, Luft und Pflanzen in großer Ausstrahlung über die gestellten Themen hinaus.

Auch die Künstlerin, die bei der Vorstellung der Arbeiten zugegen war, verdeutlichte ihre Intention bei dieser Arbeit, der Gestaltung von 16 Kirchenfenstern. Jeder der Fensterentwürfe habe einen eigenen Charakter und Farbklang, jedoch ebenso gestalterische und inhaltliche Elemente, die sich mit den übrigen Fenstern verbinden.

Gras, Blumen, Gewächs stehen, so die Künstlerin, als Symbol für den Menschen, wie es in der Bibel an verschiedenen Stellen zu finden ist. Blätter sind wie Arme mit schlichten Gesten der Versenkung und Ruhe, der Freude und der Hingabe, des Dankes und Lebens zu empfinden und die Knospe als Mitte, als Ineinander von Kopf und Herz zu erspüren.

Nachdem der Kirchengemeinderat die Finanzierung sichergestellt hatte, wurden die gesamten Kirchenfenster neu gestaltet.

Die sehr schön renovierte Kirche hat mit den von Regine Schönthaler gestalteten Fenster einen eindrucksvollen Akzent erhalten.

 

Beschreibung der Kunstglasfenster in unserer Kirche:

Die Kirche hat insgesamt 25 Fenster. Die vier Fenster des Chores legen Psalm 23 aus.

Auf der rechten Seite beim Taufstein im Kirchenschiff befindet sich das Tauffenster ebenfalls auch auf der Empore. Dem Tauffenster gegenüber auf der linken Seite befindet sich das Abendmahlsfenster. Die Fenster der linken Seite der Kirche zeigen in Anlehnung an Psalm 23 und die dortige Fürsorge des guten Hirten alttestamentliche Motive.

Im Neuen Testament heißt es in Weiterführung von Psalm 23 im Johannes – Evangelium, Kapitel 10: Jesus Christus spricht: „ Ich bin der gute Hirte“. Die drei Fenster des rechten Kirchenschiffes und vier Fenster der rechten Empore legen diese Aussage Jesu Christi aus. Das mittlere Fenster der rechten Empore ist das Fenster von der Dreifaltigkeit Gottes. Die beiden Fenster neben der Orgel sind Fenster der Vollendung und Erlösung.

Alle Fenster bilden eine künstlerische und inhaltliche Einheit. Um den Inhalt dieser Fenster zu erkennen, muss man von Fenster zu Fenster gehen. Unser Auge fragt: Was ist zu sehen? Wir betrachten die Bilder. Unser Verstand will das Thema der Bilder entdecken, ihre Aussage erkennen: Was ist wichtig an diesen Bildern? Welche Botschaft verkündigen sie? Vielleicht provozieren uns diese Bilder? Unser Herz besinnt sich über diesen Bildern. Es überlegt. Es meditiert: Ich erkenne diese Bilder. Diese Bilder kenne ich als Bilder des Glaubens und der Seele.

Bilder der Zeitung, der Illustrierten, der Werbung, der Propaganda, der Reportage, des Fernsehens, des Bilderbuches, der wissenschaftlichen Erklärungen sind Bilder jedes nach seiner eigenen Art. Die Bilder unserer Kunstglasfenster zeichnen sich durch die Fülle ihrer Farben, die Kraft ihrer Formen und die Tiefe ihrer Symbole aus. Es sind Meditationsbilder. Sie wollen zur Besinnung und in die Tiefe führen. Sie hätten die Aufgabe, beim Betrachter vielfältige Vorstellungen auszulösen und eigene Gedanken anzuregen.

Dem Können des Künstlers muss das Können des Kunstliebhabers entsprechen. Alle Gläser sind echt antik, das heißt mit dem Munde geblasen. Dazu kommen Überfanggläser mit wechselnder Farbe und Struktur. Alle Glasteile sind durch die Hand der Künstlerin gegangen.

Bild Nr. 1:

Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar: Aus der Mittelsäule und aus dem Rand des Bildes löst sich ein schwebendes Tuch. Seine Falten erinnern an ein Zeltdach, wie Gott sein Volk auf der Wanderschaft in der Stiftshütte begleitet hat. Figuren menschlichen Lebens sammeln sich im Hause des Herrn, dem Ort der Güte und Barmherzigkeit, wo sie danken und loben und wo sie Liebe und ewiges Leben erhalten. Das Rot des Feuers (Bild Nr. 2) und das Rot des Blutes Jesu (Bild Nr. 3) wird in diesem Bild zum Rot der Liebe, die göttlich und ewig ist.

Bild Nr. 2:

Der Herr ist mein Hirte: Im linken unteren Bild strecken sich zwei Gräser empor. Der Mensch ist in seinem Leben wie Gras. Der Mensch muss sich in seinem Leben und in diesem Bild suchen, um zu sich zu finden. Gott, der Herr und Schöpfer des Lebens, ist und bleibt unsichtbar. In dem vielfältigen Grün des Bildes erkennen wir den Hinweis auf Gott, den Schöpfer. Die blauen Farbtöne erinnern an das Wasser, das für uns das Wasser des Lebens ist. Mose und die Seinen haben Gott in der Wüste in der roten Feuersäule erfahren. Gott ist nahe allen, die ihn suchen, die ihn ernst suchen. Der ausgestreckte Mensch wird von Gottes Lebenskraft umgeben und durchdrungen. Er ist wie ein Baum gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit. Und was er macht, das gerät wohl.

Bild Nr. 3:

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser: Saftig grüne Blätter sind zu einem Oval angeordnet. In der Mitte dieses Ovales eine lichte Figur, zwei Grashalme mit dem verborgenen Gesicht eines Menschen. Die vielen Blätter mit ihrem verschiedenen Grün veranschaulichen die Fülle des Lebens und der Geborgenheit. Über das ganze Bild verteilt ist das Blau des Lebenswassers. Im Hintergrund des Menschen das Kreuz. Zu diesem Kreuz gehören die roten Spuren des Blutes Jesu.

Bild Nr. 4:

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal: Das Wasser des Lebens wird aufgepeitscht durch das Ungestüm des Sturmes. Heftige, gefährliche, tödliche Wellen und Wellenberge toben dahin. Die beiden bisherigen lieblich grünen Grashalme, die für den Menschen stehen, sind völlig verfärbt. Die Schöpfung Gottes und der Mensch, sein Geschöpf, werden von Not und Tod bedroht, sind auch gefallene Schöpfung.

Bild Nr. 5 + 9:

Die beiden Tauffenster: Beide Tauffenster werden nach Ihrer Form von einer kraftvollen Bewegung, die von oben nach unten führt, bestimmt. Wo grüne Farbtöne, dort Schöpfung und Geschöpf. Die bräunlichen Glasstreifen und die Farbtöne in Grau stehen für die Erde und die Welt. Das Wasser, mit blauen Farbtönen wiedergegeben, muss als Taufwasser den Menschen reinigen und die alte Art des Menschen ertränken. Das zarte Grün zieht als Gegenbewegung von unten nach oben und verbindet den Getauften mit der himmlischen Welt. Die Taufe ist das Sakrament, um Christ zu werden. Die Taufe ist auch das gemeinsame, ökumenische Sakrament der ganzen Christenheit. Alle, die wir auf Jesus Christus getauft sind,, sind in seinen Tod getauft. So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Sind wir mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

Bild Nr. 25: Das heilige Abendmahl: Die Ähre dieses Bildes ist eine Ähre voller Körner und Fruchtbarkeit. Mit der Last reicher Ernte neigt sie sich zum Boden. Aber die Neigung dieser Ähre reicht tiefer in das Leben hinein als die Getreidehalme, vom Bauer gemäht und gedroschen. Das Weizenkorn, wie Jesus Christus sagt, muss in die Erde fallen und sterben. Bleibt es allein, bringt es keine Frucht. Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Jesus feierte mit seinen Jüngern das Passahmahl und stiftete zum Beschluss des Passahmahls das Abendmahl. Von diesem Brot und seinem Leib nähren wir uns noch heute. Die goldgelbe Farbe steht für die Weizenkörner und die rote Farbe für Wein und Blut Jesu. Dicht schmiegen sich die Gräser um die goldene Mitte, um durch Leib und Blut Christi gestärkt und mit ihm und untereinander vereint zu werden.

Bild Nr. 16 – 20 und 21 – 24:

Die Bilder von der guten Schöpfung Gottes: Psalm 23 ist nach Wort und Bild der Psalm von der Fürsorge Gottes. Diese Fürsorge Gottes finden wir im Alten Testament wieder in der Schöpfung Gottes und seinen Bundesschlüssen mit der Menschheit und Israel.

Bild Nr. 21 + 16:

Aus der Finsternis werde Licht: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis. Die Schöpfung Gottes geht den Weg vom Chaos zum Kosmos. Die dunklen Scheiben im Bild auf der Empore sind geschichtet. Die dunklen Scheiben im Bild des Kirchenschiffes werden von Scheiben, die immer heller und farbiger werden, eingeschränkt. Wo Licht ist kann Leben gedeihen. Mit dem ersten Schöpfungstag, da das Licht die Finsternis verdrängt, kann das Leben beginnen. Jeder Morgen, der uns Menschen zuteil wird, wird durch neues Schöpfungshandeln Gottes geschaffen. „ Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte, schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht“.

 

Die Bilder der Jahreszeiten

Bild Nr. 22 + 17: Winter

Bild Nr. 23 + 18: Frühling

Bild Nr. 24 + 19: Sommer

Bild Nr. 20: Herbst

Diese Bilder werden, wenn wir sie in der Zeitenfolge der Jahreszeiten abschreiten, immer farbiger, bewegter, freundlicher, lebensvoller. Die Bilder des Winters sind noch in verhaltener Ruhe. Auf dem Winterbild der Empore ist bereits der Regenbogen angedeutet. Das Winterbild im Kirchenschiff zeigt die Gräser, die auf Sprossen, Blüte, Wachstum und Reife warten. Die Frühlingsbilder, die Sommerbilder und das Herbstbild sollen selbst zu uns reden. Drängendes fröhliches Erwachen im Frühling. Überquellendes Wachstum im Sommer. Volle Reife im Herbst. Tauperlen und Bruchstücke des Regenbogens deuten auf die zuverlässige Fürsorge und beständige Treue Gottes hin. Diese Bilder der Botschaft, dem Alten Testamentes entnommen, stehen unter der gnädigen Verheißung Gottes, nach der Sintflut Noah und der Menschheit gegeben: „ Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzen ist böse von Jugend auf. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“. 1. Mose 8, 21 + 22

Diese Jahreszeitenfenster können auch ein Sinnbild für den Weg sein, den der Mensch oder die Gemeinde mit Gott geht: zum Glauben gerufen, zum Gehorsam erweckt, ein Weg der Blüte, des Wachstums, der Reife, der Frucht. Zu den alttestamentlichen Bundesschlüssen Gottes gehört dann der neutestamentliche Bundesschluss. Jesus Christus spricht: „ Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun“. Johannes 15, 5

 

Die Bilder Nr. 6 – 8, 10, 12 + 13 auf der rechten Seite der Kirche: Bilder des Neuen Testamentes

Im Alten Testament steht in Psalm 23, 1: „ Der Herr ist mein Hirte“. Im Neuen Testament sagt Jesus Christus im Evangelium des Johannes, Kapitel 10: „ Ich bin der gute Hirte“. Wir haben also diese Entsprechung zwischen Altem und Neuem Testament in der Schrift. Wir haben dieselbe Entsprechung auch in unseren Bildern. Der Mensch ist in allen unseren Bildern wie ein Grashalm.

Bild Nr. 6:

Die Gräser richten sich auf. Die Schafe hören seine Stimme. Im zarten Morgenrot und in der Stille hören sie auf Gottes Wort.

Bild Nr. 7:

Die Gräser sind zur Größe und Kraft herangewachsen. Der Mensch, der gehört hat, wird gehorsam. Sie folgen mir.

Bild Nr. 8:

Die Gräser sind eng umschlungen. Die diagonale Komposition lässt Unruhe spüren. Wellen drohen und bringen Gefahr. Aber niemand kann die Seinen aus seiner Hand reißen.

Bild Nr. 10:

Das Hören auf die Stimme Jesu geschieht in der Welt. Diese Welt ist im Bild in braunen und grauen Farbtönen zu erkennen. Die Struktur des Glases ist viel kunstvoller und lieblicher als die Strukturen der zerfallenen Welt sind. Der gute Hirte führt nicht nur auf die grüne Aue und zum frischen Wasser. Die Schafe geben Wolle, Milch und Fleisch. Die Neigung, den Glauben genießen zu wollen, führt zum Ende des Glaubens.

Bild Nr. 12:

Die Schafe, die dem Hirten folgen, gehen ihren Weg durch die braune Erde und die graue Welt. Wenn vom guten Hirten nicht zur blauen Oase geführt, werden sie nicht bestehen können.

Bild Nr. 13:

Der hörende und gehorsame Mensch lebt in der Welt, ohne von der Art dieser Welt zu sein. Die Farben und Formen dieses Bildes weisen in Übereinstimmung mit den Bildern des Neuen Testamentes aus der Zeit in die Ewigkeit.

Bild Nr. 11: Das Fenster von der Dreieinigkeit Gottes

Drei aufeinander bezogene Bänder schwingen diagonal von der Mitte zum Rand und vom Rand zur Mitte. Sie zeigen symbolisch den Zusammenklang von Gott, dem Schöpfer (grün bis gelb), dem guten Hirten ( blau und rot) und dem heiligen Geist (weiß bis rot).

Bild Nr. 14: Siehe, ich mache alles neu

Nach Schöpfung und Erlösung die Vollendung der Welt. Ein Fenster ohne Schatten und Dunkelheit. In das neue Jerusalem der neuen Schöpfung wird nichts Unreines hineinkommen und keiner, der Greuel tut und lügt, sondern allein, die geschrieben stehen im Lebensbuch des Lammes. Die blaue Farbe steigert sich zum Strom des lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes. Die grüne Farbe steigert sich zu den Bäumen des Lebens, die zwölfmal Früchte tragen. Jeden Monat bringen sie ihre Frucht und die Blätter der Bäume dienen zu Heilung der Völker.

Bild Nr. 15: Das Licht des neuen Jerusalem über der vergangenen Welt

Am Ende aller Zeiten werden Erde und Meer vergehen und der neuen Schöpfung Gottes, der Schöpfung aus dem Tode Platz machen. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das erste ist vergangen. Das Licht der heiligen Stadt leuchtet in warmen Tönen und lebendiger Freude. Die Widmungszeile dieses Kirchenfensters ist wie eine letzte Zusammenfassung: Soli Deo Gloria! Allein Gott die Ehre!

 

Anordnung der Kirchenfenster